Die Wunder sind unser
Die Sprache und das Menschenmögliche und eine Ansage an die Verächter unter ihren Feinden
Jean Paul. Der Maschinenmann nebst seinen Eigenschaften
„Ich biete dem Maschinenmann – so erzähl’ ichs den Saturnianern – einen guten Morgen und guten Abend, aber damit gut: denn ich kann ihn nicht ausstehen, wegen seiner verfluchten Narrheiten. Er tut alles durch Maschinen. Er hat kein Federmesser im ganzen Hause, sondern ein gewisses Instrument, von dem er sich seine Federn durch einen Druck vorschneiden lässet – er schreibt aber doch kein Jota damit. Denn in Wien, wo ihm alles gezeigt wurde, ließ man ihn auch die Schreibmaschine des Kaisers besehen. ( … ) Er machte sich eine nach und führte nun mit seiner uneingetunkten Feder, die er in der Luft herumzog, der Maschine die repetierende Hand und Feder …“
Jean Paul, Sämtliche Werke, Erste Abteilung, erster Band. Satirische Jugendwerke. Herausgegeben von Eduard Berend, Weimar 1927 (in: Künstliche Menschen, herausgegeben von Klaus Völker, Frankfurt am Main, 1994
Das Elend des Maschinenmannes und seine gequälte Seele sollen uns hier nicht weiter interessieren. Hat er sich selbst zuzuschreiben, dass er nun mit uneingetunkten Federn in der Luft herumschreibt und dabei nichts und noch einmal nichts erschafft, verurteilt zu mechanischen Wiederholungen ad infinitum und zu ewiger Dummheit in tiefer Dunkelheit.
Wenn er wüsste, was er versäumt. Aber für ihn ist es zu spät. Er wird der Wunder niemals mehr zuteil.
Federmesser benutzte man, um Kiele großer Vogelfedern zum Schreiben und Zeichnen herzurichten. Sie sind auch heute noch nützlich, wenn man etwas mit dem spitzen Bleistift lesen will.