Wie man eine Lügengeschichte schreibt
Ein Handwerk im Wandel der Zeiten (und eine kleine Anleitung)
Es gehört überall auf der Welt zur ganz normalen Praxis in Politik und Management, Dinge so darzustellen, dass sie vermeintlich im Interesse der Vielen, manchmal sogar der ganzen Menschheit daherkommen. Oft genug ist es dabei nicht einmal nötig zu lügen, um nicht die Wahrheit zu sagen. Man lässt einfach etwas weg, eine wichtige Information, etwa über die kleinen Fallstricke der „Produktivitätssteigerung“, wenn die üblichen Verdächtigen das Nörgeln nicht lassen können. Oder man lässt in der Berichterstattung Teile von Zitaten weg, was eine Aussage in ihr Gegenteil verkehren kann. Diese Methode wird gern genommen, wenn eine Person sich wiederholt als notorischer Störenfried betätigt. Die Möglichkeiten sind grenzenlos.
Lügengeschichten zu schreiben, ist gar nicht so schwer, wenn man den Dreh einmal raushat. Man behauptet zum Beispiel etwas, was durchaus wahr sein könnte. Sagen wir, die staatliche Agentur für Sprunginnovationen hat einen neuen Sonderforschungsbereich „Trampolinforschung“ eingerichtet, ausgestattet mit drei Millionen Euro und mit einer Laufzeit von sechs Jahren.
Eigene Lügengeschichten zu schreiben, ist eine prima Alternative zu den Lügengeschichten, die andere schreiben. Es öffnet den Geist und ermöglicht einen lehrreichen Blick auf das Handwerk unfreundlicher Manipulation.
„Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist.“ Das nennen wir mal eine Steilvorlage für die seit 100 Jahren aufwachsende Lügenindustrie. So alt ist nämlich diese Aussage von Edward Bernays in seinem Buch „Propaganda“, ein Handwerk, das er später mithalf, in „Public Relations“ umzubenennen. Einer seiner größten Fans war Josef Goebbels, Reichspropagandaminister.
Ab heute wird zurückgelogen …
Die „neue Schule“ des Journalismus
Eine andere Methode, nicht die Wahrheit zu sagen, ohne offen zu lügen, ist die Vermengung unterschiedlicher Ebenen und die Auflösung bewährter handwerklicher Kategorien im Journalismus. Seit einigen Jahren schon gibt es einen Trend, die Unterscheidungen zwischen Reportage, Meinung, Feature, Kommentar, Bericht und Nachricht zugunsten generellen „Storytellings“ aufzugeben. Alte Schule sei nicht mehr zeitgemäß, immerzu Geschichten zu erzählen, sei innovativ, heißt es in einschlägigen Lehrbüchern neueren Datums. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, was da alles nicht gewusst wird. Aber das ist nun ja alles egal. Natürlich leidet auch das moralische Koordinatensystem, wenn gewisse Leute sich unbedingt cool fühlen wollen. Tom Kummer war nicht der einzige, der Lügengeschichten als Reportagen verkaufte. Trügerische Plausibilität in der geschliffenen Sprache, triefend vor psychomorphen Ergüssen, wie sie seit einiger Zeit en vogue sind, führen alle diejenigen hinter die Fichte, die nicht wissen, wie Sprache funktioniert, die sich auch nicht mehr daran erinnern, was guter Journalismus einmal war und die sich biedermeierlich gemütlich in ihrer Echokammer eingerichtet haben und nicht irritiert werden möchten. Zu viel Wirklichkeit schlägt ihnen auf den Magen.
Hat Kummer die Interviews mit den Prominenten wirklich geführt, wurde er nach seiner Entlarvung gefragt. Seine Antwort: „Diese Frage ist mir zu eindimensional.“ Na, wenn das keine Chuzpe ist!
Aber Vorsicht und noch einmal Vorsicht. Man muss nicht lügen, um nicht die Wahrheit zu sagen. Manipulation und Framing gestalten das gerichtete Denken, das ganz raffiniert auf sprachlicher Ebene Dinge miteinander vermengt, die nicht zusammengehören. „Sprachliche Wiederholung stärkt Verbindungen im Gehirn und damit die für uns sinngebenden Frames“, erklärt die Kognitionswissenschaftlerin und Neurolinguistin Elisabeth Wehling. Diese Frames sind die Grundlage für die meisten unserer Entscheidungen und nicht etwa der reine, von allem Irdischen unberührte freie Geist des philosphus gloriosus in uns.
Wenn nun bestimmte Dinge oder Begriffe in ein und demselben Zusammenhang genannt werden, verarbeitet unser Gehirn sie simultan. „Wenn wir also mehrere Dinge zeitgleich wahrnehmen – wie Bilder, Bewegungen, Emotionen, Gerüche, Geschmäcke oder Geräusche – festigt sich die neuronale Vernetzung der entsprechenden Neuronen-Gruppen untereinander“, erklärt Wehling. „Und je häufiger wir dieselben Dinge zeitgleich wahrnehmen, desto stärker entwickelt sich ein, irgendwann dann automatischer und leicht aktivierbarer, Schaltkreis im Gehirn.“
Es lohnt sich also, gelegentlich darauf zu achten, in welchen Kombinationen Wörter und Begriffe in der Berichterstattung häufig zusammen oder in benachbarten Kontexten genannt werden. Machen Sie die Probe aufs Exempel, vollführen Sie eine Übung in Metalesen und dann stellen Sie sich die Frage:
Wer will wem was sagen? Die Kanonenkugel ist nicht mehr weit …
Der Fortschritt als Lügengeschichte
Wer nun die Lügerei vor allem in der Politik oder bei Schurkenunternehmen oder bei Münchhausen Nachfahren vermutet, sollte sich wappnen für eine Überraschung. Sogar die Geschichten, die wir uns über uns selbst und „die“ Menschheit erzählen, sind im Wesentlichen gelogen. Das hat etwas mit Ideologie und Gier und Ausbeutung und Unterdrückung zu tun, in fremden und in eigenen Ländern und damit, dass gewisse Leute das Heft nicht aus der Hand geben und alles für sich allein haben wollen.
Im 18. Jahrhundert ersann ein ökonomisch gestimmter und politisch ehrgeiziger geistlicher Herr aus adligem Hause namens Turgot (der als Minister Ludwigs XVI. grauenhafte Dinge tat) eine Theorie, die bis heute unser Fortschrittsdenken beherrscht und unseren Begriff von dem prägte, was wir „Innovation“ nennen. Er erklärte nämlich, die Menschheit habe sich in toto in vier Stufen – nomadisierende Jäger und Sammler, unschlüssige Gartenbauer, sesshafte Ackerbauer mit Klassen und Arbeitsteilung – zu dem hin entwickelt, was sie in der Moderne wurde: die stratifizierte Gesellschaft mit industriell-kapitalistischer Grundlage, Staatsbürokratie und Wissenschaftssystem, mit anderen Worten: „Die“ Menschheit überall auf der Welt und zu allen Zeiten hatte immer nur ein einziges Ziel, so zu werden wie wir.
Wie kam der fromme Mann auf die unsinnige Idee einer einheitlichen Entwicklung „der“ Menschheit. (Nota bene: Man beachte, wer auch heute ohne mit der Wimper zu zucken, von „der“ Menschheit redet und behauptet sie auf den Weg unermesslicher Reichtümer und des ungetrübten Fortschritts führen zu wollen. Na?)
Er musste nicht weit blicken oder lang nachdenken. Der philosophische Kern der Turgotschen Lehre ist die christliche Heilsgeschichte. Ihr entnimmt er das Prinzip der Linearität: die gerade Entwicklung von einem bedauernswerten Zustand hin zur Erlösung. Das überträgt er dann auf die soziokulturelle Entwicklung „der“ Menschheit und erklärt den Maschinenfortschritt zum wichtigsten Treiber gesellschaftlichen Fortschritts. Trotz ihrer offensichtlichen Unsinnigkeit wird Turgots Erfindung schnell und nachhaltig in zahllosen Varianten in den Kanon allgemein akzeptierten Wissens und Denkens aufgenommen. Schließlich schmeichelt es uns, dass die Weltgeschichte im Großen und Ganzen nur ein einziges Ziel haben kann: uns selbst. Diejenigen, die auf früheren Stufen steckenbleiben, sollen wir als eine Art Vorstufe unserer selbst betrachten, die es noch nicht geschafft haben, so zu werden wie wir.
Dass jedoch ganz unterschiedliche Gruppen von Menschen in verschiedenen Weltgegenden zu verschiedenen Zeiten alle dasselbe getan haben sollten, ohne zu wissen, warum oder zu welchem Ende, strapazierte bereits im 19. Jahrhundert das Vorstellungsvermögen vieler Gelehrter. Als eigenartig wurde auch wahrgenommen, dass nah beieinander lebende und eng miteinander verbundene Gruppen verschiedenen „Kulturstufen“ angehören sollten. Die einen waren sesshaft und betrieben Landwirtschaft, die Nachbarn zogen umher (Landwirtschaft war sehr viel anstrengender als Jagen und Sammeln und auch weniger ertragreich), wieder andere wechselten regelmäßig zwischen Sesshaftigkeit und Nomadismus. Manche waren sesshaft und wurden wieder zu Nomaden. Landwirtschaft, die angeblich als „Revolution“ alles veränderte, war auch nicht das Ende der Gleichheit oder die Voraussetzung für Privateigentum. Das hatten auch Jäger und Sammler. Darüber hinaus führte der Ackerbau nicht automatisch zu gesellschaftlicher Stratifizierung mit Aristokratie, stehendem Heer und Schuldknechtschaft. Es gab funktionierende Großstädte und riesige Völker ohne Regierung.
Alle diese Dinge sind lange bekannt. Anthropologische, historische und prähistorische Befunde sind überreich vorhanden, werden aber weithin ignoriert oder als „anecdotal evidence“ abgetan. Bis heute hält sich hartnäckig die Behauptung, es hätte so etwas wie eine automatische Entwicklung gegeben und alles sei voraussagbar gewesen. Offenbar ist die Versuchung zu glauben, der gegenwärtige Zustand der Welt im 21. Jahrhundert sei das unvermeidliche Ergebnis der Geschichte der letzten 10.000 Jahre, allzu groß.
Und nun kommen die Turgots der Neuzeit mit ihren uralten, tief im Kolonialismus verankerten und von christlicher Eschatologie geprägten universalistischen Ideologien daher, um uns schon wieder Maschinenfortschritt als Maß aller Dinge anzudrehen. Gesellschaftliche Regressionen der schlimmsten Art galoppieren wie apokalyptische Reiter über Kontinente, während uns technische Geschicklichkeit und nihilistische Gier als Fortschritt verkauft werden. Wieder einmal. Weit haben wir’s nicht gebracht. Bleibt die Frage: Sind wir wenigstens im Lügen besser geworden?
Der gute Gryphius hat auch schon an anderer Stelle einen Auftritt, irgendwo in einem der Haupttexte. Kommt auch nicht von ungefähr, da einem der Horribilicribrifax doch irgendwi bekannt vorkommt.
Auftritt: Das Handwerk
Blitz / Feuer / Schwefel / Donner / Salpeter / Bley und etliche viel Millionen Tonnen Pulver sind nicht so mächtig / als die wenigste reflexion, die ich mir über die reverberation meines Unglücks mache. Der grosse Chach Sesi von Persen erzittert / wenn ich auff die Erden trete. Der Türckische Kaiser hat mir etlich mahl durch Gesandten eine Offerte von seiner Kron gethan. Der weitberühmte Mogul schätzt seine retrenchemente nicht sicher für mir. Africa hab ich vorlängst meinen Cameraden zur Beute gegeben. Die Printzen in Europa, die etwas mehr courtese halten Freundschafft mit mir / mehr aus Furcht / als wahrer affection. Und der kleine verleckerte Bernhäuter der Rappschnabel / Ce bugre, Ce larron, Ce menteur, Ce fils de Putain, Ce traistre, ce faqvin, ce brutal, Ce bourreau, Ce Cupido, darff sich unterstehen seine Schuch an meinen Lorberkräntzen abzuwischen!
Andreas Gryphius, Horribilicribrifax Teutsch
Eine Lügengeschichte ist gelogen. Eine gute Lügengeschichte ist gut gelogen. Wobei das Verbot, Schuhe an Lorbeerkränzen abzuwischen, durchaus keine Erfindung ist. Das heißt, eine gute Lügengeschichte arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten. Ich gehe auf Reisen und springe mit meinem Pferd durch eine fahrende Kutsche … nein, von vorn.
Es sollten Wahrscheinlichkeiten sein, nicht Münchhausen, der angeblich seine Axt mittels Bohnenranke vom Mond zurückholte, wohin er sie geworfen hatte. Einem Hirschen eine Ladung Kirschkerne auf den Kopf zu schießen, woraufhin dessen Geweih ein Baum entsprießt, ist hingegen sehr wahrscheinlich und ein feines Beispiel für nachhaltige Landwirtschaft. Vollends im Reich der Tatsachen sind wir angekommen, wenn das Stichwort „Kanonenkugel“ fällt. Der lang unterschätzte und böswillig falsch dargestellte Ritt auf der Kanonenkugel gehört zu den Glanzleistungen intelligenter Logistik und ist ein Produkt der Bundesagentur für Sprunginnovationen, die seit ein paar Jahren überaus erfolgreich tätig ist und derzeit an einer neuen Trampolinverordnung arbeitet.
Eine kleine Übung
Wir beginnen unsere Übung mit einer formvollendeten Nachricht. Mit ihr erzielen wir ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit, wenn wir nur die Form einhalten. Im ersten Satz beantworten wir ganz wie im klassischen Handwerk den ersten Satz der W-Fragen:
Wer? – Was? – Wann? – Wo?
In den letzten Tagen des Februar 2026 kam es auf der viel befahrenen Bahnstrecke Berlin – Westerland zu tagelangen Verspätungen.
Die Textsorte Nachricht ist schon im ersten Satz deutlich zu erkennen. Die wesentlichen Informationen sind ganz nach den Regeln des Handwerks im ersten Satz klar auf den Punkt gebracht. Und schon ist es Zeit für den zweiten Satz der W-Fragen:
Warum? – Wie? – Welche Quelle etc. (nach Quintilian)
Grund war eine neue Verordnung aus dem Bundesministerium für den Schienenverkehr, die Folgendes besagt: Wenn sich zwei Züge auf derselben Schiene treffen, darf keiner von beiden weiterfahren, bevor nicht der andere passiert hat.
Örtliche Hilfskräfte aus den anliegenden Gemeinden versorgten die Fahrgäste mit dem Nötigsten. Der Verfassungsschutz rückte mit schwerem Gerät an, notfalls bereit, die Schienen zu räumen, falls es sich um eine illegale Aktion unzufriedener Gleisbauarbeiter oder notorischer Staatsfeinde handele. Wie ein Sprecher des Ministeriums mitteilte …
Es spielt es keine Rolle, ob die Nachricht „wahr“ ist. Wichtig ist vielmehr, dass der Text konsistent ist, das heißt, dass alle Textteile sinnvoll aufeinander bezogen sind: trügerische Plausibilität.
In Wissenschaft und Management machen Täuschungen durch korrekte Form Furore. Es muss ja immer schnell gehen, und es muss viel von allem sein. Zahlenwerke, Tabellen, Fußnoten, ein seriöser Titel, die ruhige Stimme der Autorität, Zitate, Literaturangaben … in freier Erfindung einer besinnungslosen Maschine. Es dauert nicht mehr lang, da werden die Rückrufaktionen die Zahl der hinausgeschleuderten Publikationen möglicherweise übersteigen. Oder man tritt die sprichwörtliche Flucht nach vorn an und sammelt alles so Entstandene im neu zu gründenden Münchhausen-Journal.
Das kontrafaktische Konditional
Ein besonderer sprachlicher Leckerbissen für die Produktion subtiler Lügengeschichten ist ganz unbestritten das kontrafaktische Konditional.
Befreien wir die Kontrafaktuale aus den Klauen der Philosophie und geleiten wir sie in die Wirklichkeit, wo wir sehr viel mehr Verwendung für sie haben. Aussagen wie „Wenn dies und das der Fall wäre, dann wäre das und jenes eingetreten“ sind hervorragend geeignet, auch den aufmerksamsten Leser elegant hinter die Fichte zu führen.
Ein Beispiel:
Hätte der Minister nicht gerade zu diesem Zeitpunkt eine Erkältung gehabt, hätte das Stadtviertel vor dem Abriss gerettet werden können.
Der erste Teil des Satzes beschreibt eine Situation, die nicht eingetreten ist, denn bedauerlicherweise war der Minister erkältet. Aber sie hätte schließlich geschehen können. Der zweite Teil des Satzes beschreibt die Konsequenzen der Situation. Sprachlich setzt, sagen wir, die Pressestelle des Ministers mit einen Frame: Der Minister ist ein prima Kerl, der alles getan hätte, wenn … Aber diese blöde Erkältung. Er konnte wirklich nichts dafür, dass der Stadtteil abgerissen wurde. In der Grammatik haben wir auch ein schönes Wort für die Kontrafaktuale: Irrealis.
Der Irrealis, genauer: der Irrealis der Vergangenheit, lebt in einer „möglichen Welt“ (so nennt das die Semantik), in der ihre ganz eigene Logik das aus unserer Sicht Unmögliche wahr werden lassen kann.
Das Wissen, dass erkältete Minister den Abriss von Stadteilen nicht verhindern können, gibt keinen Aufschluss darüber, ob es ggf. möglich wäre, dass erkältete Minister einen Abriss nicht doch verhindern könnten. So unwahrscheinlich es auch sein mag. Es ist ja auch nur eine „mögliche Welt“.
Manipulation
Von einem irrealen Minister, der schlimme Dinge verhindert, auch wenn er erkältet ist, zu einem sehr realen Manipulator, der unserer kostbare Kulturtechnik missbrauchte wie kaum ein anderer und von dem oben aschon kurz die Rede war. Seine Vorstellung von Demokratie und diejenige seiner Brotherren ist so vielsagend, dass sie wiederholt werden soll:
„Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land.“
Edward Bernays schrieb dies in seinem Buch „Propaganda“ von 1928, (zusammen mit Walter Lippmanns „Die öffentliche Meinung“ von 1922) bis heute die „Bibel“ aller Manipulatoren.
Alles, was er wusste und gelernt hatte, nutzte der nicht so ehrenwerte von Sigmund Freud, um anderen zu schaden. 1950 startete er im Auftrag der United Fruit Company eine Lügenkampagne gegen den ordentlich gewählten Präsidenten Guatemalas, Jacobo Árbenz Guzmán. Er verunglimpfte den Politiker als „Kommunisten“ und „Freund Moskaus“, weil der versuchte, die alten und sehr bösartigen Ausbeutungsstrukturen der US-Unternehmen in seinem Land zu beenden, insbesondere eben die der United Fruit Company (heute Chiquita). Die Firma hatte hochmögende Unterstützung in den höchsten Kreisen. Die beiden Dulles-Brüder John Foster (auch Außenminister) und Allan standen 38 Jahre lang auf der Gehaltsliste der Organisation, die wie kaum eine andere für kriminelle Ausbeutung in Lateinamerika steht. Bernays Kampagne ermutigte die Politik, an der Spitze Präsident Eisenhower, die CIA in Guatemala einen Putsch in die Wege zu leiten, dem eine lange Phase blutiger Unterdrückung folgte. Das ist zwar eine ganz eigene Geschichte, dennoch wert, hier kurz angerissen zu werden, um zu zeigen, was passiert, wenn wir unsere Sprachschätze und unsere kostbare Kulturtechnik den Bösewichten überlassen.
Heute haben wir es vielerorts mit hysterischen Fake-News-Jägern zu tun, die selber am laufenden Band Fake News produzieren, mit welcher Absicht auch immer. Die Verachtung der alten Schule des Journalismus leistet solchen Entwicklungen starken Vorschub.
Dazu brauchen wir nicht einmal die neuesten Produzenten von Lügengeschichten mannigfaltiger Art, die nicht einmal wissen, dass sie lügen, weil sie gar nichts wissen, auch nicht dass vielleicht ein Buch oder eine Geschichte von A und nicht von B geschrieben wurde, die nicht wissen, was Sprache ist, nicht wissen, dass sie stehlen, nicht wissen, was Lüge ist, weil sie gar nichts wissen, nichts von Irrealis und Kontrafaktualen, es sei denn, sie haben es gestohlen, nichts von Kanonenkugeln, es sei denn, sie haben es gestohlen, nicht wissen, welch unermesslichen Schaden an Mensch und Welt sie anrichten, nicht wissen, was blanker Unsinn ist. Wissen tun dies alles ihre Produzenten und alle diejenigen, die sich zu deren Komplizen machen. Gelogen?